Generationenwechsel im deutschen Mittelstand: 186.000 Unternehmen vor der Nachfolge

[29.05.2026] – Frankfurt/Main – 186.000 Unternehmen vor der Nachfolge

Der deutsche Mittelstand steht vor einer der größten strukturellen Herausforderungen seiner jüngeren Geschichte. Nach aktuellen Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn werden in den kommenden fünf Jahren rund 186.000 Unternehmen einen Nachfolger benötigen, weil ihre Eigentümerinnen und Eigentümer aus alters-, gesundheits- oder anderen persönlichen Gründen aus der Geschäftsführung ausscheiden. Diese Zahl beschreibt eine strukturelle Welle mit konkreten Konsequenzen für Beschäftigung, Marktstrukturen und die wirtschaftliche Substanz des Standorts Deutschland.

Mehr Übergabewillen, weniger realisierte Übergaben

Bemerkenswert an der aktuellen Schätzung des IfM Bonn ist eine scheinbare Paradoxie. Obwohl die Zahl der übergabewilligen Inhaberinnen und Inhaber steigt, liegt die Zahl der erwarteten Nachfolgen jährlich rund 800 Unternehmen unter dem vorherigen Schätzzeitraum 2022 bis 2026. Die Erklärung ist wirtschaftlich. Viele mittelständische Unternehmen kämpfen mit einer schwächeren Ertragslage, die eine Übernahme aus Sicht potenzieller Nachfolgerinteressierter weniger attraktiv erscheinen lässt. Besonders betroffen sind unternehmensbezogene Dienstleistungen mit Jahresumsätzen unter 500.000 Euro. Wer ein Unternehmen übergibt, dessen Profitabilität in den letzten Jahren erodiert ist, findet schwerer einen Nachfolger und erzielt im Zweifel einen niedrigeren Verkaufspreis.

Die familieninterne Nachfolge verliert an Selbstverständlichkeit

Die zweite, leiser verlaufende Verschiebung ist kultureller Natur. Während 2018 noch 57 Prozent der Unternehmer eine familieninterne Nachfolge anstrebten, ist dieser Anteil bis 2025 auf unter 42 Prozent gesunken. Die nachrückende Generation ist zahlenmäßig kleiner, breiter ausgebildet und anspruchsvoller in ihren Karriereentscheidungen. Geschäftsführung im elterlichen Mittelstandsbetrieb steht heute in offener Konkurrenz zu Konzernlaufbahnen, Start-up-Engagements und alternativen Lebensentwürfen. Wer als Inhaberin oder Inhaber davon ausgeht, dass die nächste Generation automatisch übernimmt, verliert wertvolle Vorbereitungszeit. Externe Nachfolgelösungen, also klassische M&A-Prozesse mit professioneller Begleitung, gewinnen entsprechend an Bedeutung. PwC

Warum Vorbereitung jetzt entscheidet

Die Welle der 186.000 anstehenden Nachfolgen ist kein abstraktes Zukunftsszenario, sondern ein konkretes Marktphänomen, das sich in den kommenden Jahren intensivieren wird. Für Unternehmer ergibt sich daraus eine doppelte Konsequenz. Erstens steigt der Wettbewerb unter den Verkäufern.

Je mehr Unternehmen gleichzeitig einen Nachfolger suchen, desto selektiver agieren Käufer und Investoren. Zweitens verlängert sich die effektive Vorbereitungszeit. Ein Unternehmen, das verkauft werden soll, sollte idealerweise zwei bis drei Jahre vor dem geplanten Übergabezeitpunkt strukturell, finanziell und personell vorbereitet werden. Diese Zeit fehlt, wenn die Übergabe erst dann angestoßen wird, wenn das Ausscheiden bereits unmittelbar bevorsteht.

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