Was 2.586 Transaktionen über den deutschen Mittelstand verraten

07.06.2026, Frankfurt/Main
Der deutsche M&A-Markt zeigte sich im Jahr 2025 trotz konjunktureller Schwäche und geopolitischer Spannungen bemerkenswert stabil. Insgesamt wurden 2.586 Transaktionen mit deutscher Beteiligung registriert, was einem Rückgang von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, jedoch weiterhin deutlich über dem langjährigen Durchschnitt seit 1998 liegt. Hinter dieser stabilen Entwicklung vollzogen sich jedoch strukturelle Veränderungen, die das Profil des deutschen Transaktionsmarktes nachhaltig beeinflusst haben.
Der Markt wird innendeutscher
Eine der auffälligsten Entwicklungen des Jahres ist die deutliche Abnahme grenzüberschreitender Transaktionen. Inbound-Deals, also Übernahmen deutscher Unternehmen durch ausländische Käufer, sind um knapp 39 Prozent gefallen. Outbound-Deals, in denen deutsche Unternehmen im Ausland zukaufen, gingen um 26 Prozent zurück. Standortfaktoren wie hohe Lohn- und Energiekosten, eine als schwerfällig empfundene Bürokratie und das schwache Wachstumsumfeld dämpfen die Attraktivität Deutschlands aus internationaler Perspektive.
Innerdeutsche Transaktionen haben sich als stabilisierender Faktor des Marktes etabliert. Mit 1.509 Deals lag ihr Anteil im Jahr 2025 bei 58 Prozent aller registrierten Transaktionen, was einen historischen Höchststand darstellt. Mittelständische Unternehmen erwerben andere Mittelständler, Konzerne restrukturieren ihre Portfolios, und die Konsolidierung erfolgt zunehmend innerhalb Deutschlands. Für Eigentümerinnen und Eigentümer, die einen Verkauf erwägen, verschiebt sich dadurch die Ansprache potenzieller Käufer. Ein vertieftes Verständnis des deutschen Mittelstands und seiner Konsolidierungsmechanismen ist für den Zugang zu den aktivsten Käufergruppen von Vorteil.

Private Equity zurück im Markt
Eine weitere strukturelle Veränderung könnte sich langfristig als noch bedeutsamer erweisen. Finanzinvestoren waren im Jahr 2025 an 38 Prozent aller M&A-Transaktionen in Deutschland beteiligt, dem höchsten Wert seit 2022. Bei ausschließlich ausländischen Investitionen in deutsche Zielunternehmen lag der Anteil von Private-Equity-Investoren laut aktueller PwC-Analyse zur internationalen Investorenaktivität in Deutschland sogar bei über 50 Prozent.
Diese Entwicklung wird durch sinkende Zinsen, den zunehmenden Druck auf Fonds mit auslaufenden Laufzeiten sowie ein beträchtliches Volumen an noch nicht investiertem Eigenkapital begünstigt. Besonders aktiv waren Private-Equity-Gesellschaften aus den USA, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich, gefolgt von einer steigenden Beteiligung aus Frankreich und Schweden. Für Verkäuferinnen und Verkäufer bedeutet dies, dass ein strukturierter Verkaufsprozess gezielt Private-Equity-Investoren als Bietergruppe ansprechen und deren Bewertungsdisziplin in Verhandlungen effektiv genutzt werden kann.
Sektorale Unterschiede bestimmen die Marktdynamik
Obwohl das Gesamtbild zunächst stabil erscheint, verlaufen die Entwicklungen in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich. Der Bereich Aerospace & Defence verzeichnete einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr, bedingt durch die sicherheitspolitische Neuausrichtung in Europa und das Sondervermögen der Bundeswehr. Engineering & Construction wuchs zweistellig, getragen von öffentlichen Investitionen in Infrastruktur und Energiewende. Im Gegensatz dazu verzeichnete der Automotive-Sektor einen erheblichen Rückgang der Dealaktivität, verursacht durch Transformationsdruck, verstärkte Konkurrenz aus Asien und Unsicherheiten bezüglich potenzieller US-Zölle.
Der 500 Milliarden Euro umfassende Infrastrukturfonds der Bundesregierung dürfte nach Freigabe der ersten Mittel zusätzliche Impulse in den Bereichen Energie, Bau und Versorgung setzen. Für Unternehmen, die in den kommenden Quartalen einen Verkaufsprozess anstoßen, ist es ratsam, die jeweilige sektorale Marktphase explizit in die Strategie einzubeziehen. Ein Aerospace-Zulieferer wird im Jahr 2026 unter deutlich anderen Marktbedingungen verkauft als ein Automotive-Zulieferer.
Funktionsfähigkeit des Marktes bei zunehmender Selektivität
Die Zahl von 2.586 Transaktionen bestätigt nicht nur die Robustheit des Marktes, sondern weist auch darauf hin, dass der deutsche M&A-Markt strukturell intakt ist, sich jedoch im Charakter verändert. Der Wettbewerb um attraktive Zielunternehmen findet zunehmend zwischen inländischen Strategen und international agierenden Finanzinvestoren statt, weniger zwischen klassischen grenzüberschreitenden Strategen. Bewertungsmultiplikatoren werden vorsichtiger gehandhabt, Käufer agieren selektiver, und Verkäufer müssen sich besser vorbereiten als noch vor drei Jahren.
Für Mittelständler in Vorbereitung auf eine Unternehmensnachfolge oder einen strategischen Verkauf bedeutet das vor allem eines: Die Vorbereitungszeit verlängert sich. Wer in den nächsten zwei bis vier Jahren übergeben möchte, sollte die strukturelle, finanzielle und personelle Vorbereitung jetzt beginnen.

Über Edelweiss Corporate Finance
Edelweiss Corporate Finance ist ein M&A Beratungshaus mit Sitz in Frankfurt am Main das auf die Beratung mittelständischer Unternehmen spezialisiert ist. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen Unternehmensnachfolgen, Sell-Side-Mandate und strategische Verkaufsprozesse für Familienunternehmen und inhabergeführte Mittelständler. Wir verbinden branchenspezifische Tiefe mit einem klaren Verständnis für die Besonderheiten des deutschen Mittelstands und begleiten Eigentümerinnen und Eigentümer von der Bewertung bis zur erfolgreichen Übergabe des Lebenswerkes.
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Quellen: Mergermarket (eigene Analyse); PwC „Destination Deutschland 2025: M&A-Aktivitäten ausländischer Investoren in Deutschland“, Dezember 2025.
